Ungarn: Änderungen im Sozialversicherungssystem ab 2010

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Ungarn: Änderungen im Sozialversicherungssystem ab 2010

Die Beschlussfassung des ungarischen Parlaments zur Umsetzung eines komplexen Steuerreformpakets in 2010 betrifft auch die aktuellen Regelungen der Sozialversicherung (s.a. Beitrag „Ungarn: Steuerreform gegen die Krise“ unter dem Menüpunkt „Steuern“). Die Expat Consult informiert über die wichtigsten Neuerungen.

d1052df08bBereits zum 1. Juli dieses Jahres wurden die Arbeitgeberbeiträge zur Sozialversicherung von vormals 32% (29% Sozialversicherungsbeitrag plus 3% Arbeitgeberabgabe) auf 27% gesenkt. Diese Regelung gilt bisher jedoch nur für Einkommen von bis zu 143.000 HUF (Basis bis zum Doppelten des Minimallohnes, ca. 534 €). Von diesem Beitragssatz entfallen 24% auf die Rentenversicherung, 2% auf die Krankenversicherung (1,5% für Sachleistungen und 0,5% für Geldleistungen) und 1% auf den Arbeitsmarktbeitrag (Arbeitslosenversicherung). Die Arbeitgeberabgabe von 3%, die bisher in den Beschäftigungsfonds eingezahlt wurde, entfällt und wird durch den so genannten Arbeitsmarktbeitrag ersetzt.

Senkung der Arbeitgeberbeiträge für alle Einkommensbereiche

Ab Januar 2010 wird die fünfprozentige Senkung der Arbeitgeberbeiträge zur Sozialversicherung auf alle Einkommensbereiche ausgedehnt. Der pauschale Gesund-heitsbeitrag von 1.950 HUF (ca. 7,30 €) pro Monat wird abgeschafft, während der prozentuale Gesundheitswesenbeitrag von 11% auf 27% erhöht wird. Bemessungsgrundlage für die Sozialversicherungsbeiträge bleibt weiterhin das Bruttogehalt.

Die Arbeitnehmerbeiträge zur Sozialversicherung betragen ab 2010 insgesamt 17%. Der zu leistende Rentenversicherungsbeitrag beläuft sich dabei auf 9,5%. Die Beiträge zur Krankenversicherung und dem Arbeitsmarkt werden von derzeit 6% auf 7,5% angehoben (Krankenversicherung 6%, Arbeitsmarktbeitrag 1,5%).

Sparmaßnahmen beim Krankengeld

Bei Arbeitsunfähigkeit wegen Krankheit und Unfall besteht laut Arbeitsgesetzbuch in Ungarn für die ersten 15 Tage ein Anspruch des Arbeitnehmers gegenüber dem Arbeitgeber auf Krankengeld. Die Höhe betrug bisher 80% des Gehalts und wurde zum August 2009 einheitlich um 10 Prozentpunkte verringert: Statt der bisherigen 80 % des Arbeitsentgelts stehen dem Arbeitnehmer nun nur noch 70 % zu. Ab 1. Januar 2010 werden darüber hinaus Wegunfälle von den Betriebsunfällen am Arbeitsplatz getrennt. Bei Wegunfällen beläuft sich das Unfallkrankengeld nicht auf das vollständige Durchschnitts-gehalt, wie bei Betriebsunfällen, sondern nur auf 90% davon.

Ebenfalls zum 1. August 2009 verringert sich die Höhe des Krankengeldes. Nach einem mindestens zweijährigen Versicherungsverhältnis erhalten Arbeitnehmer ein Kranken-tagegeld von 60 % anstatt der bisherigen 70 % des durchschnittlichen Entgelts je Kalendertag. Wer kürzer als zwei Jahre bei seinem Unternehmen arbeitet, erhält nur noch 50 % anstatt der bisherigen 60 %. Zusätzlich darf die Höhe des Krankengeldes 400% des Minimallohnes, der am ersten Tag des Versicherungsverhältnisses galt, nicht übersteigen darf.

Rentenreform bringt Einbußen für Rentner

Änderungen in der Sozialversicherung betreffen auch das Rentensystem. Sofort gestrichen wird die 13. Monatsrente. Stattdessen gibt es eine Bonuszahlung, die an das jährliche Wirtschaftswachstum gekoppelt ist.

Das reguläre Renteneintrittsalter steigt ab 2012 von aktuell 62 auf 65 Jahre an. Die Angleichung erfolgt innerhalb von sechs Jahren, was damit die Jahrgänge 1957 und jünger betrifft.

Für mehr Informationen zu den Änderungen in der ungarischischen Sozialversicherung oder zum ungarischen Sozialversicherungssystem nehmen Sie gern Kontakt mit uns auf.

By | 2017-02-06T21:50:26+00:00 August 25th, 2009|Internationale Sozialversicherung|