Großbritannien plant die Einführung eines gesetzlichen Ansässigkeitstests (statutory residence test)

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Großbritannien plant die Einführung eines gesetzlichen Ansässigkeitstests (statutory residence test)

Die britische Regierung hat in ihrem Haushaltsplan 2011 die Einführung eines neuen gesetzlichen Residenz-Tests zur Bestimmung der steuerlichen Ansässigkeit von natürlichen Personen in Großbritannien angekündigt. Der Ansässigkeitstest (statutory residence test) soll die bislang auf britischer Rechtssprechung basierenden komplexen Regelungen ablösen und mehr Sicherheit hinsichtlich der britischen Steuerpflicht geben. Die neue Regelung wurde am 17. Juni 2011 veröffentlicht und soll bereits ab dem Steuerjahr 2012/2013 zur Anwendung kommen. Hieraus ergeben sich auch Auswirkungen auf den Bereich der internationalen Mitarbeiterentsendung.

bdc7a95f68Der Begriff der „Ansässigkeit“ (residence) unterliegt im britischen Recht bislang keiner gesetzlich abschließenden Definition. Vielmehr basiert die Bestimmung des Ansässigkeitsstatus einer natürlichen Person auf einem Begriffsverständnis, das sich aus langjähriger Rechtsprechung herausgebildet hat. Entscheidungsrelevant sind dabei die Umstände des Einzelfalls der Person und der damit verbundenen Faktoren, wie beispielsweise die Anwesenheitsdauer, Häufigkeit des Aufenthalts und persönliche Bindungen an das Land. Da aber wiederum auch diese Faktoren nicht klar definiert sind und Interpretationsspielraum lassen, entstehen bei der Beurteilung zur Bestimmung der Ansässigkeit immer wieder Unsicherheiten bei den Betroffenen, die künftig vermieden werden sollen.

Der neue Statutory Residence Test soll sich nach Vorschlag der Regierung wie folgt darstellen:

Part A – Einstufung als non-resident

Danach liegt eine Ansässigkeit nicht vor, wenn folgende Voraussetzungen erfüllt werden

die Person war vor dem Beginn ihrer Anwesenheit in Großbritannien in keinem der letzten drei Jahren zuvor dort ansässig und hält sich im aktuellen Steuerjahr weniger als 45 Tage in Großbritannein auf, oder
die Person war vor Beginn der Anwesenheit in einem der letzten drei Jahre in Großbritannien ansässig und hält sich in dem aktuellen Steuerjahr weniger als 10 Tage in Großbritannien auf, oder
die Person verlässt Großbritannien, um im Ausland eine Vollzeitbeschäftigung aufzunehmen und ist im laufenden Steuerjahr weniger als 90 Tage in Großbritannien anwesend und übt dort bis zu maximal 20 Tage eine Beschäftigung aus.

Part B – Einstufung als resident

Eine Person ist demzufolge in Großbritannien ansässig, wenn

sie während des Steuerjahres 183 Tage oder länger im Land anwesend ist, oder
sie nur über einen Wohnsitz bzw. Wohnsitze in Großbritannien verfügt, oder
sie eine Vollzeitbeschäftigung in Großbritannien ausübt

Part C – andere Faktoren und Tageszählung

Lässt sich anhand der beiden ersten beiden Kategorien keine Bestimmung der Ansässigkeit erzielen, werden weitere Faktoren in Betracht gezogen. Dazu gehören die Anzahl der Anwesenheitstage sowie familiäre Bindungen, Innehaben von Wohnraum, Umfang der Beschäftigung, Anwesenheitszeiten in den Vorjahren u.a.

Es bleibt abzuwarten, ob der neue Ansässigkeitstest gesetzlich verabschiedet wird. In diesem Zusammenhang sei darauf hingewiesen, dass die geplanten Regelungen weiteren Änderungen unterliegen können. Mit einer abschließenden Regelung ist bis zum Jahresende 2011 zu rechnen.

Die aufgeführten Angaben unterliegen nicht dem Anspruch auf Vollständigkeit und dienen lediglich einer ersten, unverbindlichen Information. Eine Fortsetzung der Berichterstattung ist geplant, sobald nähere Details zur Gesetzeslage bekannt werden.

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By | 2017-02-06T21:50:23+00:00 August 29th, 2011|Internationale Steuern, Visa und allgem. Länderinfos|